Wer sein Boot, die Umwelt und sich nicht einem Chemiebad aussetzen möchte, dem bleibt nur Muskelarbeit mit Spachtel, Drahtbürste und bestenfalls Schleifmaschine. Thomas und Ralph aus Cas Concas hätten sowohl Muskeln als auch genanntes Werkszeug zur Hand – können ihren Kunden jedoch mit einem neuen Verfahren Zeit, Nerven und Geld sparen. Das Zauberwort heißt „Sandstrahlen“.
Die Sandstrahltechnik – mit und ohne Wasser – gilt unter denen, die sie beherrschen, als schlichtweg die beste Lösung für das „Entlacken und Entschlacken“ von geplagten Schiffsrümpfen. Wir ließen uns von Thomas und Ralph das neue, umweltschonende Verfahren erklären.
MM: Dass man mit einem Sandstrahler Graffitis von der Betonwand wischen oder Kaugummi von der Straße fegen kann, war uns bekannt, aber nun wagen sich Könner auch an Bootsrumpfe. Für welche Art von Booten ist das Verfahren überhaupt anwendbar?
Thomas: Wenn es wirklich von Profis verwendet wird: Für alle Boote, egal ob GFK, Holz, Aluminium oder Stahl. Bei Stahl sollte man grundsätzlich nur das Trockenstrahlen anwenden. Manche „strahlen“ die Boote auch „nass“, das bedeutet Granulat und Wasser werden gemischt.
MM: Welches Verfahren bevorzugt ihr?
Ralph: Wir verwenden derzeit nur das trockene Verfahren. Es ist zwar „etwas staubiger“ aber auch weniger aufwändig: Das bedeutet wir brauchen keine Auffangwanne für den Granulatmatsch, der beim nassen Verfahren entsteht. Und wir können unser Granulat zumindest teilweise wieder verwenden.
MM: Sandstrahlen klingt nach brachialer Gewalt. Wie kann man damit einen empfindlichen, womöglich alten Holzrumpf oder einen modernen GFK-Rumpf behutsam entlacken?
Ralph: Auf alle Fälle schonender als mit Säuren, Drahtschleifer und Chemie. Viele wissen zum Beispiel nicht, dass sie durch massiven Muskeleinsatz und die genannten Mittel beispielsweise feinste Rostpartikel in einen Stahlrumpf richtig einmassieren können. Und bei manchen Rümpfen ist am Ende alles so spiegelglatt geschliffen, dass kein Antifouling und keine Farbe mehr aufgenommen werden vom Material.
MM: Also zuviel des Guten. Apropos: Wenn ich von einer Mehrfachlackierung nur die oberste Schicht entfernen muss oder Will, geht das überhaupt mit so einem Sandstrahler?
Thomas: Das besondere an unserem neuen Verfahren mit diesem Sandstrahlgerät ist, dass wir verschiedene Arten von Granulat zur Verfügung haben und auch mit Niedrigdruck arbeiten können. So kann man den Strahl feiner und exakter dosieren. Ich traue mir also durchaus zu, dass ich eine Lackschicht entfernen kann, ohne die darunter liegende Schicht – was immer es ist – zu beschädigen.
MM: Das bedeutet, dass man auch empfindliche Rümpfe, Teakholzplanken, Kunststoffoberflächen nach Bedarf strahlen kann?
Ralph: Wie gesagt: Grundsätzlich können wir jedes gewünschte Ergebnis erreichen. Von rauer Oberfläche für einen Stahlrumpf oder Laminatflächen bis zur Feinarbeit auf GFK oder alten Holzplanken und auch Teakholz stellt kein Problem dar.
MM: Das Verfahren gilt als besonders umweltschonend, warum?
Thomas: Nun, gegenüber ätzenden Laugen und Hammer-Chemie ist wohl alles andere umweltschonend. . . Nein, es ist vor allem das Granulat, das wir verwenden: Erstens ist es ein natürliches mineralisches, vollkommen ungiftiges, Strahlmittel, das weder radioaktiv, noch sonst wie toxisch belastet ist. Der Hauptbestandteil ist Almandit-Granat, das ist eines der härtesten Mineralien überhaupt. Es kommt aus Westaustralien. Zweitens strahlen wir effizient aufgrund des geringen Verbrauchs, der teilweise über 2/3 niedriger ist als bei herkömmlichen Strahlmitteln, und der hohen Strahlleistung. Das ist nicht nur kostengünstig, sondern auch energiesparend. Das Strahlmittel ist je nach Anwendung mehrfach wieder verwendbar. Wir arbeiten also mit weniger Material, kleinerer Korngröße und geringerem Druck.
MM: Wie kann ich mir eine Wiederverwendung vorstellen? Da sind doch Lack- und Fremdstoffe enthalten?
Ralph: Richtig, aber dafür gibt es spezielle Siebe. Das ist ein einfaches Verfahren. Viel einfacher als die Entsorgung des nassen Lack-Granulat-Gemisches, das beim nassen Strahlen entsteht.
MM: Gut, ich möchte also mein Schiff bei euch säubern lassen. Muss ich es nach Cas Concas trailern?
Ralph: Das ist nicht nötig. Wir sind mit unseren Geräten mobil. Das bedeutet: Wir können überall arbeiten, wo man das Schiff aus Trockene holen kann.
MM: Und welche Vorteile könnt ihr einem Schiffseigner noch bieten?
Thomas: Das Verfahren, das wir anwenden ist sehr viel schneller, sehr viel sauberer und dazu umweltschonend und 10 bis 15 Prozent billiger. Außerdem wird die alte Farbe wirklich vollständig entfernt das gilt auch für eventuelle Problemstellen wie zum Beispiel die Schiffsschraube. Das Schiff ist dadurch optimal vorbereitet für den Anstrich – was willst du mehr?
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