Der Mangel wächst und mit ihm das Problem, das an der verheißungsvollen Entwicklung der gesamten balearischen Nautikbranche nagt wie das Mittelmeer am Strand von Es Trenc: Auf den Inseln fehlen mindestens 4.500 Liegelätze und Abhilfe kommt kaum und nur sehr langsam in Sicht.
In den letzten vier bis fünf Jahren hat sich die Situation drastisch verändert: 40.000 Yachten aller Größen mussten sich im vergangenen Jahr 19.029 Liegeplätze teilen – ein „ungleicher Kampf“. Und doch fanden 294.100 Nautiktouristen es hier in der Saison 2007 am schönsten und gaben dabei 544 Millionen Euro aus (15 Prozent mehr als 2006). Die gute Nachricht lautet folgerichtig: Für fast jede zweite Yacht fand sich – rein rechnerisch – gleichzeitig ein Plätzchen in den 65 Sporthäfen des Archipels, 40 davon an der Küste Mallorcas.
Und noch eine gute Nachricht für alle, die mit ihrer Yacht auch in der nächsten Saison das schönste Nautik-Revier des westlichen Mittelmeers ansteuern oder Mallorca als Heimathafen für ihr Boot auswählen wollen: „Es findet sich immer etwas Passendes, das ist nur eine Frage der Lage und des Preises!“, sagt Leonard Lang. Leo weiß wovon er spricht: Der 43-jährige Yacht- und Liegeplatzbroker ist seit 18 Jahren im Geschäft auf Mallorca und zusammen mit seinem niederländischen Landsmann Eric Bouwes Eigner von MYG Yachting Consultants, einem der größten Liegeplatzbroker im westlichen und zentralen Mittelmeer mit Sitz in Port Adriano. Wir fragten Leo wie er die Liegeplatzproblematik auf den Balearen einschätzt.
MALLORCA MAGAZIN: Sie vermitteln Liegeplätze, vor allem in Spanien, Frankreich, Italien und Malta. Wie viele stehen aktuell auf den Balearen zum Verkauf?
LEO LANG: Etwa 90 bis 95 für Boote zwischen 8 und 60 Meter.
MALLORCA MAGAZIN: Und wie viele Anfragen gibt es durchschnittlich?
LEO LANG: Sehr, sehr viele: Etwa 35 pro Woche, Schwerpunkt der Nachfrage liegt bei Liegeplätzen für 15 bis 35 Meter lange Yachten – und noch größer. Während und nach den Messen rappeln bei uns wieder alle Telefone, dann sind es noch wesentlich mehr Anfragen. Früher kaufte man eine Yacht, und konnte anschließend im Hafenbüro aus einer Liste den passenden Liegeplatz auswählen. In den letzten vier bis fünf Jahren hat sich die Situation drastisch verändert und viele kaufen heute erst einen Liegeplatz und dann das dazu passende Schiff. Wir sind auch auf der boot Düsseldorf vertreten, und ich weiß, die Handys werden ununterbrochen läuten. Werften, Händler und Yachtkunden fragen dann nach den tagesaktuellen Angeboten und Preisen . . .
MALLORCA MAGAZIN: Das klingt nach einem Tagesgeschäft wie an der Börse. Da dürften Spekulanten nicht weit sein . . .
LEO LANG: Ja, das ist manchmal eine Tagesgeschäft. Und manche wittern ein Riesengeschäft, sowohl auf dem Miet- als auch auf dem Kaufmarkt, wo Renditen zwischen sieben und zwölf Prozent möglich sind – für ein Stück Wasser. Prinzipiell dürfen nur Eigentümer selbst ihren Liegeplatz zum Verkauf oder Vermietung anbieten. Aber es passiert trotzdem, dass Cowboys auf dem Markt sind und versuchen, sich reich zu rechnen.
MALLORCA MAGAZIN: Preise für Liegeplätze sind in Spanien behördlich festgesetzt, greift die Regierung da nicht regulierend ein?
LEO LANG: Ja, das sind staatlich deklarierte Werte. Aber die Regierung wird nicht gegen die Interessen der Branche entscheiden und deren Einkommen mindern, das wäre unsinnig.
MALLORCA MAGAZIN: Nur um uns über die Dimensionen des Mangels klar zu werden: Wie groß ist derzeit die Auswahl an Liegeplätzen im Mittelmeerbereich?
LEO LANG: Ich schätze, derzeit stehen etwa 400 Liegeplätze im Mittelmeerbereich zum Verkauf.
MALLORCA MAGAZIN: Fast ein Viertel davon also auf den Balearen, allerdings müssen Yachteigner hier für die „Wasser-Immobilien“ tief in die Tasche greifen. Was kostet derzeit beispielsweise ein 18-Meter-Liegeplatz auf Mallorca? Gibt es überhaupt welche?
LEO LANG: Es gibt zwar wesentlich mehr Boote als Liegeplätze. Dennoch findet sich immer etwas Passendes. Es hängt davon ab, was der Kunde wünscht, und es ist alles eine Frage des Preises. Der Begriff Wasser-Immobilie ist treffend, denn ebenso wie bei Immobilien ist die Lage entscheidend und das Angebot in der gewünschten Lage. Auf Mallorca muss man für Liegeplätze ab 18 Metern Länge derzeit im Verkauf mit einem Durchschnittspreis von zwölf- bis dreizehntausend Euro pro Quadratmeter Wasserfläche rechnen. Aber es kommt sehr darauf an ob man im luxuspreisigen Porto Portals sucht, in Palma oder an der Ostküste. . .
Lage, Länge, Laufzeit
MALLORCA MAGAZIN: Nicht nur Lage, Länge und Angebot spielen für den Wert des Liegeplatzes eine Rolle, sondern auch die Laufzeit, die sich nach der Konzessions-Zeit der Hafenbetreiber bemisst? Da gab es in den letzten Monaten Verwirrung unter den Yacht- und Liegeplatzeignern auf Mallorca?
LEO LANG: Ja, das ist richtig. Dabei ist die Situation eigentlich eindeutig: Das spanische Gesetz sagt ganz klar, dass die Konzessionen (Escritura) in allen Häfen generell bis 2018 laufen. In Puerto Portals wurden Plätze jedoch mit einer Laufzeit bis 2031 verkauft. Einige Eigner wollen ihr Recht aus dem Kaufvertrag gegen die gesetzlich bestimmte Laufzeit durchsetzen – wie das ausgeht ist noch offen. Wer auf der sicheren Seite bleiben will, kauft seinen Platz nur bis 2018.
MALLORCA MAGAZIN: In Porto Andraitx haben sich der Nautik-Club und Liegeplatzeigner beim Auslaufen der alten Konzession geeinigt.
LEO LANG: Ja, Porto Andraitx war der erste Hafen, bei dem die alte Konzession für den Betreiber auslief und der eine neue Konzession erhalten hat. Der Hafen wurde etwas umorganisiert und jetzt gibt es einige größere, dafür aber weniger Liegeplätze. Der Nautikclub dort hat beschlossen die Plätze nur noch zu vermieten und die bisherigen Liegplatzeigner haben jetzt die erste Wahl.
MALLORCA MAGAZIN: Lage, Länge, Laufzeit – zurück zu den Preisen: Was kostet heute also ein 18-Meter-Platz in Palma, in Porto Portals und in Cala d’Or?
LEO LANG: Einen Platz dieser Länge könnte man heute im Club de Mar (Westseite der Bucht von Palma, Anm. der Red.) für etwa 280.000 Euro kaufen, nur wenige Kilometer weiter in Puerto Portals müsste man dafür etwa eine Million Euro bezahlen, und an der Ostküste zwischen Alcudia und Cala d’Or habe ich heute keinen Platz dieser Größe im Angebot, nur mieten könnte man dort für etwa 21.500 Euro pro Jahr. Und noch ein Preis zum Vergleich: Auf dem Festland in Barcelona könnten Sie einen derartigen Platz, 18 mal 5,30 Meter, für 125.000 Euro kaufen.
MALLORCA MAGAZIN: Welches sind die drei „Renner“ unter den balearischen Häfen?
LEO LANG: Der Trend in Zeiten des Mangels geht dahin, dass es dem Kunden inzwischen fast schon egal ist wo er einen Platz findet. Hauptsache Mallorca und am liebsten natürlich im Südwesten. Denn wer sich eine Yacht in der fürs Mittelmeer passenden Größenordnung ab zehn, zwölf Meter leisten kann, der will hierher. Favoriten sind derzeit Porto Portals, gefolgt von Porto Andraitx und Port Adriano, das durch die Erweiterung attraktiver werden wird. Auch auf Ibiza ist die Lage nicht besser. Und auf Menorca können Schiffe ab 25 Meter nur in Mahón liegen.
MALLORCA MAGAZIN: 82 neue Plätze für Yachten bis zu 60 Meter entstehen jetzt in Port Adriano – reicht das oder können Sie auch nach der Fertigstellung nur den Mangel verwalten?
LEO LANG: Nun ja, das hilft schon weiter. Allerdings geht der Trend inzwischen zu noch größeren Yachten und die finden dann hier wieder keinen Platz. Die großen Werften bauen pro Jahr drei bis vier Yachten, die über 100 Meter lang sind. Wer so eine Yacht kauft, will damit ans andere Ende der Welt oder ins Mittelmeer. Vierzig Prozent dieser Superyachten landen hier.
MALLORCA MAGAZIN: . . . und bringen gutes Geld ins Land: 544 Millionen Umsatz machte die Nautikbranche 2007 auf den Balearen. Welche Yacht würden Sie fürs Mittelmeer empfehlen?
LEO LANG: Nicht unter 30 Fuß Länge und mit zwei Motoren. Im Gebrauchtbootbereich würde man dafür etwa zwischen 80- und 90.000 Euro ausgeben müssen. Die Faustregel zehn Prozent des Yachtwerts für Festkosten pro Jahr inklusive Liegeplatz, Wartungs- und Reparaturkosten gilt noch immer als realistisch. Und in dieser Größenordnung findet man auch einen Platz. Aber wer für sein 80.000 Euro teures Boot allein 15.000 Euro pro Jahr für einen Liegeplatz ausgeben soll, der sagt den Balearen ade. Für Eigner von Luxusyachten spielt dieser Preis keine Rolle und im Grunde haben die Skipper und Kapitäne solcher Yachten das letzte Wort: Sie wollen dorthin, wo es eine gute Infrastruktur gibt und wo sie mit ihren Familien gut und sicher leben können. Da ist Mallorca mit seinen einzigartigen Flugverbindungen nach ganz Europa, seiner unvergleichlichen Infrastruktur und dem wunderbaren Klima natürlich der bevorzugte Platz. Es gibt keinen vergleichbaren.
MALLORCA MAGAZIN: Mallorca ist also zu beliebt und die Preise steigen weiter?
LEO LANG: Ja, Mallorca hat sich das Problem mit dem Überangebot an Yachten und Booten selbst geschaffen. Allein die Preise für Liegeplätze, gleich ob Vermietung oder Verkauf, stiegen im letzten Jahr zwischen sechs und zehn Prozent. Die staatlichen Gebühren um etwa zwanzig Prozent.
MALLORCA MAGAZIN: Ist das das Ende der Fahnenstange oder werden die Preise für Liegeplätze noch höher klettern?
LEO LANG: Nachfrage und Preise werden weiter steigen. Ich erwarte für 2008 eine Steigerung um zehn Prozent für Größen ab 18 Meter Länge. Die ist und bleibt Mangelware. Und dieser Mangel wird größer werden, denn auf dem Yachtmarkt stehen die Zeichen weiter auf „größer und länger“. Für den Yachtverkauf im Bereich 20 bis 25 Meter wird das ein sehr gutes Jahr werden, darunter wird es eher schwer werden.
MALLORCA MAGAZIN: Also lautet die Prognose: Noch mehr und größere Boote steuern die Balearen an und müssen sich noch weniger Liegeplätze teilen? Ist kein „Land in Sicht“? Was kann die Branche von der neuen Regionalregierung erwarten?
LEO LANG: Mit der neuen Regierung wird es keine Lösung für dieses Problem geben. Jetzt regiert der Preis. Der einzige Wunsch, dessen Erfüllung realistisch gesehen wirkliche Erleichterung bringen könnte, wären die bereits geplanten aber wieder gestoppten Hafenerweiterungen.
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